Sensationsgelüste einer Tageszeitung, ein Unfall oder sogar Tiermord?
Als ich am Samstag, den 26. Februar die Tageszeitung aufschlug fiel mein Blick auf einen Artikel den ich kaum glauben konnte:
„Hunde attackieren Rentner“. Im Untertitel hieß es „Beim Gassigehen mit Spitz-Rüden „Moritz“ angegriffen / Mann erdrosselt Tier mit Halsband“.
Mein erste Gedanke war: Wie hat der Mann das Tier mit dem Halsband erdrosselt? Wie sollte das gehen? Nun gut, um mehr zu erfahren lass ich mir den Artikel durch. In der Zeitung ein Foto wo ein Mann mit Hund abgebiltet worden ist - beide ohne erkennbare Verletzungen... Der Beginn des Artikels:
Der Schreck steckt ihm noch in den Gliedern…. Beim lesen der nächsten Zeilen musste ich doch schon arg an die Sensationspresse der Bild Zeitung denken..
„ Es krachte ganz plötzlich und dann waren auch schon die beiden großen Hunde da.“ Was für eine Sprache? Immer wieder Schreibweisen als ob der Schreiber dabei gewesen ist. Die Schreibweise zieht sich aber durch den ganzen Artikel. Ein Artikel der sehr gut vom attackierten Rentner am Stammtisch zum besten gegeben werden könnte – oder war es doch nur ein Sensationslustiger Lokalreporter einer Zeitung der einen großen Artikel witterte dem er es erzählte?
Sollte es ein Artikel sein wo ein Rentner seinen kleinen Hund gegen zwei große gefährliche Hunde verteidigt und totesmutig mit einen Hund kämpft bist dieser tot ist. Für mich ein Artikel der von einen Sensationsreporter geschrieben worden ist der von Hunden keine Ahnung hat und von einen Rentner, der ein Bruder von Baron Münchhausen sein könnte, immens beeinflusst worden ist.
Aber was war nun wirklich passiert? Meine Recherche im Internet brachte den Polizeibericht des Vorfalls zum Vorschein – und siehe da: plötzlich sah die Sache schon anders aus. Im Artikel der NW wurde der Rentner so dargestellt als ob er totesmutig mit dem Hund – einen Mischling der aus sogenannten Kampfhunde-Rasssen zusammengesetzt war (laut NW-Text) – kämpfte bis sich dieser tot war. Als Verletzung hatte der Rentner nur eine leichte Schürfwunde davongetragen, der sogenannte Kampfhund Mischling war aber durch drehen des Halsbandes und das dadurch engere zusammenziehen des Halsbandes gestorben- so die NW.
Ich denke er wurde einfach mit dem Halsband erwürgt. Nur wie geht das? Mit blosser Muskelkraft eines Mannes wird das kaum klappen und dann ein Rentner? Kaum zu glauben. Aber im Polizeibericht steht etwas was zur Lösung beitragen könnte, gleich im ersten Absatz steht
„Der Mann setzte sich mit seinem Spazierstock zur Wehr.“ Sollte der Mann etwa diesen Stock in das Halsband gesteckt haben und ihn als Hebel benutzt haben? Dann hätte er die Kraft gehabt das Tier zu erwürgen – dann wäre es Tiermord gewesen!
Die riesige Bordeauxdogge, als zweiter Hund beteiligt, sollte laut Zeitungsbericht dem Spitz hinterher gerannt sein und – oh zufall – war die Frau des Rentners mit dem Auto unterwegs und rettete den Spitz indem sie diesen ins Auto holte. Mich interessiert einmal wie viele Kratzer die Bordeauxdogge am Auto hinterlassen hat? Wenn sie so gefährlich gewesen ist wie im NW-Bericht dargestellt dann hätte sie auch versucht ins Auto zu gelangen und hätte Spuren hinterlassen.
Im Polizeibericht heißt es aber wörtlich:
… hätten plötzlich die beiden Tiere ihn angesprungen und dabei zu Boden gestoßen. Während sich die Hündin, eine Bordeauxdogge, im weiteren Verlauf zurückhielt, habe er den angreifenden Rüden, einen etwa 30 bis 40cm großen Mischlingshund, am Lederhalsband festhalten können. Dabei habe sich der Hund versucht loszureißen und nach ihm zu schnappen, so der 66-jährige. Vermutlich habe sich der Hund so selbst stranguliert. Nachdem das Tier verendet war, sei er dann zu seiner nahe gelegenen Wohnung gegangen. Dabei sei ihm die Dogge gefolgt. Seinen eigenen Hund sperrte er vorsichtshalber in seinen PKW ein. War die Polizei bei einem anderen Vorfall??? Klingt doch anders, oder?
Wenn ich den Polizeibericht durchlese relativiert sich meine Meinung zum Vorfall. Vielmehr denke ich nicht mehr das der Rentner ein Held ist der seinen Hund verteidigt hat. Nein, in meinen Augen ist der Rentner ein Mensch der einen Hund getötet hat. Der NW Reporter ist ein Mensch der einfach einen Text, der vieles komplett verdreht , verfasst und einen „ich bin ein Held Rentner“ glaubt ohne sich bei Polizei, Tierheim, Ordnungsamt und evtl. anderen Sachkundigen Menschen zu erkundigen ob dieser Vorfall wirklich so passiert sein kann. Er sollte seine Chance nutzen und den Bericht neu schreiben. Der Rentner, sollte den Mut haben die Geschichte richtig zu stellen. Nur sollte er niemals seine verdrehte Geschichte in der Öffentlichkeit wiederholt darstellen denn viele Hunde stehen wieder im schlechten Licht da. Die sogenannte Kampfhunde Diskussion hat durch diesen absoluten „Sensationsartikel a la Bild“ wieder neue Nahrung bekommen. Hoffentlich überprüft das Ordnungsamt auch die Qualifikation des sogenannten Opfers (Rentner) und nicht nur die den Hundehalter der beiden „so bösen Hunde“. Und dem Hundehalter des toten Hundes kann ich nur sagen: lassen sie sich von Polizei, Tierheim und anderen beteiligten Personen genau sagen wie der Hund zu tote kam. Wenn es nur kleine Anzeichen von Tiermord gibt dann zeigen Sie diesen „Rentner Helden“ an.
Da mir die Rasse Bordeuxdogge nicht sehr bekannt war habe ich bei der Suche nach Informationen auf der Homepage des Lübbecker Tierheims gesehen das dort eine Dogge (Rüde) ihr Leben verbringt. Da mir die Sache keine Ruhe ließ habe ich mir heute am Montag den Rüden angeschaut – naja, ich mag gar nicht dran denken wie die NW die Größe des Labrador-Mix der wenige Meter weiter im Zwinger sitzt bezeichnet wenn die Dogge schon ein riesiger Hund ist. Wahrscheinlich ist das dann eine Gigantisch großer Kampfhund…. Ich hab die Dogge nicht nachgemessen aber sie war nicht mehr als 50cm Schulterhöhe aber sehr massig und sehr sehr lieb…
Hier der Link zum Polizeibericht:
Polizeibericht
Und der Link zum Artikel in der NW:
Bericht