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Nachdenkliches - Der Letzte Weg

Der letzte Weg
Vermutlich wird es jedem, der ein geliebtes Tier zu hause hat, schon einmal für
einen kurzen Moment und voller Sorge in den Sinn gekommen sein:
Wie wird es enden?
Schaffe ich es, dabei zu bleiben?
Bin ich stark genug?
Wie kann man das ertragen?
Diese Gedanken hatte auch ich, aber noch ließen sich derartige Überlegungen
wunderbar auf „später“ verschieben, denn mein „Benji“ war ganz gesund und
munter. Wir hatten ihn 1996 als „Cocker-Collie-Rottweiler - Welpen“ aus dem
Tierheim Lübbecke übernommen und nun hatten wir mit unserem ersten und
so sehr liebenswerten Hund schon mehr als 12 wunderschöne Jahre verlebt.
Eine unebene Rötung an der Zunge – na, da weiß Dr. Heinrich bestimmt eine
Lösung! Voller Optimismus gaben wir unseren Benji im April 2008 in seine
erfahrenen Hände. Die Verkündung der Diagnose aber war, wie ein Schlag ins
Gesicht: Lymphdrüsenkrebs, unheilbar. Mit Hilfe einer Chemotherapie sollten
unserem geliebten Benji vielleicht 6 – bestenfalls aber 12 Monate seines
Hundelebens bleiben, ohne Behandlung höchstens 3 Monate. Wie konnte das
sein? Er erschien uns doch so fit und agil? Wir versuchten es mit der Therapie,
Benji vertrug die Medikamente, alles schlug gut an und so hofften wir sehr für
ihn, dass er wenigstens noch einen schönen „letzten Sommer“ haben durfte.
Da waren sie wieder, die Gedanken...
Plötzlich und ohne Vorwarnung war das „später“ gekommen, jetzt war es an
der Zeit, sich mit diesen Gedanken auseinander zu setzen. Damals, als der
Benji als kleines Hundekind sehr krank wurde (Giftköder waren die Ursache),
hatte ich ihm mit einem tiefen Blick in seine so lieben, braunen Hundeaugen
versprochen, ich werde bei ihm sein, werde ihn nicht alleine lassen, wenn er
einmal alt ist und gehen muss. Nun forderte das Schicksal dieses Versprechen
ein, aber alles, was ich fühlte, war Angst! Angst davor, ihn vielleicht leiden
sehen zu müssen und nicht helfen zu können. Angst, vielleicht selber nicht
stark genug zu sein, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten, Angst, ihn zu
verlieren!!! Er wollte ganz sicher noch nicht gehen und ich wollte ihn ganz
sicher nicht her geben! Leider konnten wir alle beide keinen Einfluss nehmen.
Ich stellte es mir ganz furchtbar und gemein vor, wenn die Zeit gekommen
sein sollte und weinte viele, viele Tränen um meinen Hund. Je mehr ich mich
jedoch damit auseinander setzte, desto ruhiger wurde ich. Was tat ich da
eigentlich? War es nicht ein unglaublicher Egoismus, nun an mich und meinen
Verlust zu denken? Ich bekam ein schlechtes Gewissen... Ich durfte doch noch
bleiben – der Benji aber nicht... War er es nicht gewesen, der sich Jahr um
Jahr beschützend vor mich gestellt hatte, der mich bis aufs Letzte gegen Alles
und Jeden verteidigt hätte, wenn es Not getan hätte? Er war nun fast 12 1/2
Jahre lang der treueste Freund, den man haben kann! Er hat mir an jedem
einzelnen Tag seines Lebens Freude, grenzenloses Vertrauen und so viel Liebe
geschenkt, hat mich getröstet, wenn es mir nicht gut ging, war immer an
meiner Seite. Nun war er es, der in Not geraten war, der nun Hilfe, meine
ungeteilte Aufmerksamkeit und liebevolle Betreuung benötigte, der es so sehr
verdient hatte, in meinen Armen würdevoll sterben zu dürfen. Ich schaute ihn
lange an und konnte das flehende „Bitte!“ geradezu aus seinem Blick heraus
lesen, er selber war es, der mich zum Umdenken bewegt hat... Ja, so sollte es
sein: Er sollte liebevoll umsorgt sein und keine Tränen sehen!!! Ich wollte
einfach dankbar sein, dass ich ihn so lange und gesund bei mir haben durfte...
Es war ein Dienstagmorgen im Oktober 2008, als Dr. Heinrich sagte: Es geht
nicht mehr, die Zeit ist gekommen. Am Donnerstag, den 30. Oktober sollte der
Benji erlöst werden... Ich bereitete mich bewusst auf unsere letzten Stunden
vor, aber Abschied nehmen, jetzt, heute – wie geht das? Sensibel, wie der
Benji seit je her war, bemerkte und reflektierte er natürlich meine stille und
stete Traurigkeit. Wir verbrachten diese Stunden ganz besonnen und leise.
Heute bin ich fast sicher, er wusste, dass es zuende geht, Ruhe kehrte in
seinen ganzen Körper ein, sein Blick war müde, er war einfach erschöpft.
So betraten wir dann auch gemeinsam die Pr.- Oldendorfer Tierklink, ein so
unglaublich trauriger Augenblick, aber ein Weg, der nicht zu schwer zu gehen
war, denn mein lieber Hund war seines Lebens müde geworden, er sollte nicht
mehr kämpfen müssen. Ich hielt sein Köpfchen ganz nah an meine Wange
geschmiegt, streichelte ihn ganz lieb, bis das Beruhigungsmittel wirkte, hielt
ihn eng umschlungen, als er friedlich und ganz ruhig von mir ging...
Im Nachhinein bin ich sehr, sehr dankbar, dass ich erleben durfte, wie es sich
anfühlt. Ich habe selber gespürt, dass mein Benji weder Angst hatte, noch
unruhig war. Er vertraute mir, ich war da, er spürte meine Nähe und Wärme
und so konnte er sich behutsam und liebevoll aufgehoben aus unserem
gemeinsamen Leben verabschieden.
Der letzte Weg
Ich würde immer wieder dabei bleiben, um meinem Tier auf seinem letzten
Weg Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Die Eindrücke der letzten Minuten
meines Hundes Benji haben es mir möglich gemacht, mit seinem Verlust ganz
anders umgehen zu können, ich konnte ihn gehen lassen, konnte loslassen...
*Zur Erinnerung an meinen lieben „Benji“ (5. Mai 1996 – 30. Oktober 200cool*
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Liebe Hundefreunde,
habt keine Sorge, wenn der Moment gekommen ist. Euer Hund selber wird es sein,
der es Euch leichter macht, man muss nur ganz genau hinschauen, um es zu
erkennen. Loslassen ist ein schwerer Schritt, aber diesen letzten Beweis der
Freundschaft sind wir unseren geliebten Tieren schuldig. Wir hatten uns für dieses Tier
entschieden und wir sind es auch, die ihm gönnen müssen, zur Ruhe zu gehen...
Verfasser Monika Fischer 
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