Sam

Notfall

Geschlecht: Rüde (kastriert)
Geboren am: 06.08.2012
Rasse: Mischling
Im Tierheim seit: 18.01.2017

  • fröhlich und verschmust
  • draußen sehr gestresst
  • muss nochl lernen ruhig an der Leine zu gehen
  • Hundeerfahrung notwendig
  • liebt Wasser
  • freundlich zu anderen Hunden
  • hat schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht

Wieviel Stationen Sam in seinem Leben schon durchlebt hat, wissen wir leider nicht, aber wir wissen, dass es dadurch Sam immer schwerer fällt dem Menschen zu Vertrauen. Mittlerweile konnten wir ein Teil seiner Vorgeschichte herausfinden, ursprünglich kam er aus Rumänien nach Deutschland, wie er dort gelebt hat ist uns unbekannt. Sam wurde dann an eine ältere Dame vermittelt, die dann aber in ein Pflegeheim musste, so wurde er an einen Herrn abgegeben, dieser kam mit dem Rüden aber gar nicht zurecht und gab ihn dann zu uns ins Tierheim. Eventuell gab es auch noch eine Besitzerin zwischen Rumänien und der älteren Dame, auf jeden Fall merkt man gleich, dass es ein sehr unglücklicher Lebensweg für einen Hund ist, der eher unsicher ist und einen geregelten Alltag benötigt.

Als Sam zu uns gebracht wurde, hieß es „Aggressiver Schäferhund-Mix, attackiert Männer, muss sofort weg“…so kam der Sam dann ins Tierheim. Allerdings war er zu unserem Erstaunen gar nicht so schäferhundig und auch so gar nicht so männerattackierend. Etwas übel gelaunt vielleicht, ja…und sehr gestresst. Aber wir dachten „halb so wild, kriegen wir hin“…naja, bis zur ersten Gassirunde. Der kleine Sam dreht nämlich, im wahrsten Wortsinn, gerne mal etwas durch. Damit meinen wir kein Durchdrehen im Sinne von Wände hochgehen, sondern er dreht Kreise, umrundet die Person, die ihn an der Leine führt, schießt vor und zurück. Deshalb werden Spaziergänge mit Sam auch in „Umdrehungen pro Minute“ gemessen, quasi die Maßeinheit dieses Hundes

Er tut dies nicht, weil er gerne viel Strecke macht oder weil es so lustig ist, wenn der jeweilige Gassigänger fast brechen muss (Sam ist ein sehr schneller Hund, wenn er in seinem Orbit unterwegs ist), sondern weil er vor lauter Stress nicht weiß wohin mit sich. Die Welt ist aus Sams Sicht gefährlich, alles ist zu viel, ihm fällt sprichwörtlich der Himmel auf den Kopf, wenn er draußen unterwegs ist. Ruhe findet er nur in Gräben und Wasser, vorzugsweise Wassergräben. Und in geschlossenen Räumen. Dort blüht er auf, wedelt, spielt, kuschelt. Aber dies auch nur, kommen wir zum nächsten Problem, bis ihn jemand anfasst. Sam lässt momentan nur von einer einzigen Person Nähe zu (mit ihr kann er auch draußen zunehmend entspannter laufen). Er interessiert sich für andere Menschen, ist distanziert-freundlich, geht aber auch mal hin, berührt im Vorbeigehen ein Bein, schnüffelt, nimmt Leckerchen (sofern es Schinken-Fleischwurst oder Mini-Salami ist), aber anleinen, streicheln, festhalten…dann rastet unser kleiner Kreiselkompass mal kurz aus und schnappt. Nur kucken, nicht anfassen! Mittlerweile können zwei weitere Personen ihn nach monatelanger Vertrauensarbeit auch immerhin streicheln und teilweise anleinen, was ein riesen Fortschritt ist!

Sam ist insgesamt sehr unsicher und ernst, leicht zu stressen und immer etwas zwanghaft veranlagt. Wenn er etwas gerne macht, wie beispielweise Autofahren, dann liebt er pauschal jedes Auto. Und wenn man in die Nähe von Autos kommt, will er ums Verrecken einsteigen. Zur Not quer durch die Karosserie. Blöderweise stehen die meisten Autos verschlossen und nicht für Hunde gedacht in der freien Wildbahn herum. In der Regel mögen auch fast alle Autobesitzer ihren unversehrten Lack….deshalb muss man mit Sam immer etwas Abstand zu Autos halten, besonders zu den Teuren. Ebenso kommt er fast nie trocken von einem Spaziergang wieder. Wenn es Wasser in erreichbarer Nähe gibt, dann findet Sam dieses. Und dann muss er da auch rein. Manchmal glauben wir, der riecht das, wie ein Elefant. Und dann wird nicht nur kurz ein Schlückchen kühles Nass getrunken, nein nein, der Elefant geht baden und tauchen und planschen, als gäbe es kein Morgen. Dieser Hund ist speziell, man kann es nicht anders sagen. Aber das wäre ansich vielleicht noch kein riesen Problem. Wir haben schon viele Knalltüten vermittelt. Er ist leider zudem noch sehr unscheinbar. In dem einen Jahr, welches er jetzt im Tierheim verbracht hat, gab es exakt nur eine einzige Anfrage überhaupt für ihn. Und die musste leider im Keim erstickt werden, da die Dame im 1. Stock wohnt….denn als ob es nicht reichen würde, dass unser Sams schnappt, schwarz und schwierig ist, nein, er ist natürlich auch noch krank. Die Hüfte ist eine Katastrophe. Er wurde operiert und seitdem kann er deutlich länger und besser laufen, aber die ganzen Tierarztbesuche samt OP haben  nicht unbedingt seine Laune gehoben und die Hüfte wird wahrscheinlich eine lebenslange Baustelle bleiben – er hat gute und schlechte Tage, je nach Wetter.

Wir vermuten, dass Sam sich früher (er kommt aus einem rumänischen Shelter) oft durchbeißen musste. Dieser Hund hat was erlebt, man sieht es ihm an…und Schwäche bedeutet dort nun mal Gefahr, weshalb Sam Angriff als Verteidigung für sich gewählt hat. Dabei holt er einem nicht das Fleisch von den Knochen. Aber er weiß, wie man sich andere Lebewesen fern hält. Er mag nur sehr wenige Hunde in seiner unmittelbaren Nähe, wohnt allerdings mit Hündin Cleo zusammen, was ihm sehr gut tut. Eine nette Hündin im neuen Zuhause wäre denkbar. Katzen eher weniger. Tja, wer nimmt so einen Hund? Hundeerfahrene Leute, ohne Kinder, einsam wohnend, mit Burggraben ums Haus? Mit viel Geduld und der Bereitschaft sich vielleicht auch mal beißen zu lassen? Ein Mix aus Verständnis und Konsequenz wäre toll, bitte ohne Härte, aber auf keinen Fall Unsicherheit. Davon hat der Hund selber genug… Wir sind ehrlich, wir wissen nicht, wer Sam irgendwann adoptieren wird und wie das genau ablaufen soll. Aber es wäre ein Sechser im Lotto, wenn dieser Hund irgendwann trotz seines schweren Rucksackes zur Ruhe kommen könnte und einfach seinen Weg gehen darf, ohne Stress.

Vielen Dank an das Hundetherapiezentrum Blümchen die Sam als Hundephysiotherapie-Patenhund übernommen haben und ihm die tollen Behandlungen ermöglichen.

1 Kommentar zu "Sam"

  • Backs sagt

    Hallo , Sam lebte ca. 1Jahr in Herford bei einer netten Frau. Sie ist sehr oft mit Sam spazieren gegangen. Er hatte anfangs probleme mit mir (Mann) . Keine Beachtung, aber niemals böse. Irgendwann konnte ich Sam auch streicheln. Ich selbst bin mit unserem Hund spazieren gewesen. Er hat oft angst vor großen dunklen Wolken gehabt, und wollte wieder nach Hause :-) . LG A.Backs

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